Simon Hennecke im Interview zum Fraktionsvorsitz mit dem Soester Anzeiger
SA/Vamo: Herr Hennecke, Sie übernehmen den Fraktionsvorsitz. Wo soll es hingehen mit der Fraktion und der Politik?
Erst einmal stehen die Kommunalwahlen im September an. Da geben uns die Bürger nicht nur eine Rückmeldung zu dem, was wir die letzten fünf Jahre gemacht haben, sondern sie äußern mit ihrer Wahlentscheidung auch ihre Vorstellungen, wo es in den kommenden fünf Jahren hingehen soll. Handlungsleitend ist dabei die Frage, wie wohl sich unsere Bürger in Ense fühlen, von sozialen Angeboten über Verkehrsanbindungen bis hin zur Nahversorgung. Auf dem Weg zur Kommunalwahl wird uns in der Fraktion insbesondere die Energiepolitik beschäftigen, bei der die Windkraft eine große Rolle spielt. Dabei fokussieren wir uns auf die finanzielle Beteiligung von Gemeinden und Einwohnern an neuen Windenergieprojekten, wie sie das Bürgerenergiegesetz NRW und das Erneuerbare-Energien-Gesetz vorsehen. Unser Ziel ist es, in diesem wie auch in anderen Politikfeldern stets alle Enser Bürger zu berücksichtigen.
SA/Vamo: Welche Themen möchten Sie noch angehen?
Ein wichtiges Standbein unserer zukünftigen Arbeit wird das Ehrenamt sein. Wir als Kommune haben die Aufgabe, auf der lokalen Ebene die Demokratisierung unserer Gesellschaft zu fördern. Das Ehrenamt ist dafür ein ganz entscheidender Faktor. Daher wollen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten ehrenamtlich Tätige fördern, wie zuletzt beispielsweise durch unsere Initiative zur Überarbeitung der Musikförderrichtlinie. Gleichzeitig werden wir darauf achten, dass Ehrenamt nicht durch übermäßige Bürokratie belastet wird. Beispielsweise müssen Festumzüge an Schützenfesten weiterhin unkompliziert durchgeführt werden können, ohne dass etwa jeder Straßenzug mit einem 40-Tonnen-LKW für Absperrungen zugestellt werden muss.
Das zweite Standbein ist die Bildung unserer Jüngsten. Eine fundierte Bildung in modernen Schulen und Kindergärten schafft die Grundlage für eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und vermittelt wichtige Werte für das Zusammenleben. In Ense haben wir bereits einen hohen Standard bei Kindergärten und Schulen erreicht, aber dieser erhält sich nicht von allein. Wir müssen dauerhaft investieren, um unseren Kindern die besten Startchancen zu ermöglichen.
Der dritte wichtige Pfeiler ist der Erhalt des in Ense vorhandenen Wohlstands. Hierfür benötigen wir eine weiterhin starke lokale Wirtschaft mit sicheren Arbeitsplätzen. In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wie der aktuellen Rezession müssen wir erkennen, dass die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen eine besonders hohe Aufmerksamkeit verdient. Nur eine wirtschaftlich prosperierende Kommune kann auch ihre sozialen und kulturellen Aufgaben erfüllen. Unser Handlungsspielraum liegt auf kommunaler Ebene darin, die Standortbedingungen so zu gestalten, dass unsere Unternehmen in Ense bleiben und sich hier weiterentwickeln können – was letztlich Arbeitsplätze sichert und den Wohlstand für alle in unserer Gemeinde erhält.
SA/Vamo: Was schätzen Sie an der Politik in Ense?
Den sachlichen und lösungsorientierten Ansatz aller Fraktionen, auch in der fraktionsübergreifenden Auseinandersetzung. Hier muss man sich nicht sorgen, öffentlich diffamiert zu werden oder kaputt geredet zu werden. In Ense läuft das wirklich kritisch in der Sache, aber sehr wertschätzend im persönlichen Umgang. Wir sind nicht alle einer Meinung, das ist auch gut so, weil wir ein mehrheitsfähiges Ergebnis beschließen müssen. Aber mit dieser Art der politischen Kultur erreichen wir gute Ergebnisse für Ense. Zusätzlich macht das Ehrenamt Politik, so wie wir es in Ense leben, Spaß und das zählt.